89 russische Kulturschaffende sagen ihre Meinung

Autoren für und gegen Putins Politik: Gefährliches Spiel

Freitag, 14. März 2014, 17:22

(dpa)zz. Prominente russische Schriftsteller und Bürgerrechtler haben in einem Protestbrief den Kurs von Kremlchef Wladimir Putin im Ukraine-Konflikt als «brandgefährlich» kritisiert. Unter Verstoss gegen internationales Recht annektiere Russland die zur Ukraine gehörende Halbinsel Krim, hiess es in dem Schreiben, das am Freitag die kremlkritische Zeitung «Nowaja Gaseta» veröffentlichte. «Es werden die Prinzipien der europäischen Sicherheit und Stabilität verletzt», kritisierten die 89 Unterzeichner des Briefes. Russland steuere auf einen neuen Kalten Krieg mit unabsehbaren Folgen zu. Zu den Unterzeichnern gehören die Menschenrechtler Ljudmila Alexejewa, Swetlana Gannuschkina und Sergei Kowaljow sowie die auch in Deutschland populären Autoren Ljudmila Ulitzkaja und Viktor Jerofejew.

Die Vertreter der Intelligenz, darunter Wissenschafter, Schauspieler und Künstler, kündigten einen Kongress «Gegen Krieg, gegen die Selbstisolierung Russlands, gegen die Erneuerung des Totalitarismus» an.

Zuvor hatte das russische Kulturministerium einen Brief zur Unterstützung von Putins Politik veröffentlicht mit Hunderten ebenfalls zum Teil prominenten Unterzeichnern (einige Künstler nahmen später allerdings Abstand davon und betonten, sie wüssten nichts von dem Schreiben).

Zu den Unterzeichner gehört auch Valery Gergiev, der designierte Chefdirigent der Münchner Philharmoniker. Dieser hatte im Dezember bereits Putins repressive Gesetzgebung gegen Homosexuelle verteidigt. Im Brief-Text, der auf Website des Kulturministeriums der Russischen Föderation und dann in «Iswestija» aufgeschaltet wurde, heisst es: «In den Tagen, in denen sich das Schicksal der Krim und unserer Landsleute entscheidet, können die Kulturschaffenden Russlands nicht gleichgültige, kaltherzige Beobachter sein. Unsere gemeinsame Geschichte und gemeinsamen Wurzeln, unsere Kultur und ihre geistigen Ursprünge, unsere Grundwerte und Sprache haben uns auf immer vereint. Wir wollen, dass die Gemeinschaft unserer Völker und unserer Kulturen eine starke Zukunft hat. Deshalb erklären wir felsenfest, dass wir die Position des Präsidenten der Russischen Föderation zur Ukraine und der Krim unterstützen.»

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